Was ist Borderline?

Menschen, die unter einer Borderline- Persönlichkeitsstörung leiden erleben Tag für Tag eine Achterbahn der Gefühle und immer wieder Zustände einer inneren Hochspannung. Diese können sie meist keinem bestimmten Gefühl zuordnen. Um die Anspannung schnellst möglich zu beenden, setzen sie selbstschädigende Verhaltensweisen ein, die ihnen kurzfristig sehr helfen. Langfristig aber sind sie jedoch sehr schädlich. Borderline-Betroffene leiden sehr unter ihrer Störung. Weil ihre Gefühle so intensiv sind, weit mehr als bei gesunden Menschen, wird diese Störung auch als emotional instabile Persönlichkeitsstörung (borderline typ) bezeichnet.

 

Ja ja Fachgelaber... Ich wollte euch hier sicher nicht mit  raubkopierten Texten langweilen. Ich erzähle euch aus meiner Sicht wie sich die Krankheit auswirkt auf einen Menschen. Da spreche ich allerdings nur für mich, nicht für alle Betroffenen der Welt. Alles was ich hier schreibe ist aus meiner Sicht geschrieben. Jeder hat ein anderes Bild seiner Gefühle und jeder hat eine andere Ansicht der Dinge. Nun also hier meine Ansicht.

Ja Borderliner können sich selbstverletzten aber nicht alle die diese Diagnose haben tun es so wie ich, obwohl das wohl das bekannteste Merkmal ist.

Das „Schneiden“ ist für mich Verzweiflung und Erlösung zu gleich. Ich nenne es bewusst nicht Ritzen sondern Schneiden. Da ich bei mir schon länger nicht mehr von Ritzen sprechen kann. Für mich bedeutet Ritzen sowas wie eine Mutprobe, ein austesten seiner eigenen Grenzen oder zum Beweisen das man seinen Überlebensinstinkt ausschalten kann. Eine freiwillige Probe, doch kein muss. Ich habe schon lange keine Wahl mehr!

 

Es wird zur Sucht und man stellt keine Fragen mehr sondern Handelt einfach nur um den Seelischen Schmerz, die quälende Anspannung oder den Selbsthass nur für ein paar kleine Augenblicke zu vergessen. Um sich wieder zu spüren denn nur zu oft bekommt man das Gefühl sich aufzulösen, dass alles nur ein böser Traum ist und man einfach wieder aufwachen will. Manchen hilft es Tage, manchen Stunden, manchen Minuten und für mich manchmal nur wenige Sekunden. Es ist wie wenn dir jemand die ganze Zeit in dein Ohr schreit und sobald du den ersten Schnitt machst verstummt plötzlich alles um dich herum. Stille ...ein Moment des Wiederfindens und der Erkenntnis das es doch noch etwas gibt das dir die Qual nimmt.

 

Der Schneidedruck und auch die Anspannung können einfach plötzlich auf treten durch irgendein Bild, einem Lied oder wenn jemand etwas zu einem sagt. Das nennt man Trigger, ein Auslöser kann so gut wie alles sein. Traumatische Erlebnisse wie auch Vernachlässigung und Misshandlungen jeder Art, können einem Momente des Leidens bescheren. Es ist nicht wie wenn sich jemand an den Abschlussball oder sein erstes Auto erinnert. Die Erinnerungen sind nicht kontrollierbar, prasseln wie ein Feuersturm in den Kopf ein und ziehen einen hinunter in die Tiefe. Es laufen Bilder und Filme in deinem Kopf ab und man hat das Gefühl es nicht mehr auszuhalten wenn man sich nicht irgendwie aus dieser Situation rausholen kann. Sowas nennt man Flashback. Unkontrollierbare Erinnerungen die einem täuschend echt vorkommen können und die zu heftigen Maßnahmen führen. Aber nicht immer sind es Erinnerungen die einen dazu bringen sich selbst zu verletzten.

Die Gründe sind so vielfältig wie es Menschen auf der Welt gibt. Ich leide nicht nur unter Erinnerungen sondern auch wie viele andere Betroffene unter einem enormen Selbsthass. Dieser macht mir alltägliche Aufgaben zur Schwierigkeit. Wie z.B. Duschen, ich geben es nicht gerne zu aber Duschen ist eine extreme Überwindung für mich. Mich ausziehen, anzufassen, anzusehen und einzucremen ist einer der größten Hürden die ich alle zwei Tage überwinden muss. Zurzeit halte ich gewisse Duschtage ein aber früher habe ich mich sehr selten nur geduscht. Die ersten Male Duschen nach so langer Zeit des Ausweichens, war fast schon Traumatisch für mich und ich musste mich regelmäßig deswegen übergeben weil ich mich so sehr vor mir selbst Ekelte.

 

Das zum Selbsthass. Es gibt Dinge die einen übermannen, einfach so ohne Vorwarnung. Ja ich rede von der Einsamkeit. Es ist als wäre man der letzten Mensch auf der Welt und es gäbe sonst niemanden den man sich selbst aber auch anderen zumuten kann. Man fühlt sich Einsam weil man es aus Erfahrung weiß dass es niemand mit einem aushalten kann. Wie denn auch? Ein Mensch der sich selbst hasst kann doch niemals andere lieben. So sagen es die Psychologen aber ich denke anders. Gerade weil man sich nicht mag hat man so eine liebe zu anderen. Man liebt die anderen weil sie nicht so wie man selbst sind. Alles was nicht so ist wie ich, ist liebenswert. Denn niemand ist schlimmer als ich!

Wenn ich nicht ich wäre, dann wäre ich glücklich. Denn so wie ich bin kann es nicht richtig sein.

 

Leider sind Beziehungen immer ein Problem. Es geht dabei nicht um die Liebesbeziehung von Mann und Frau sonder auch um soziale Kontakte. Freunde und Familie bekommen meist  die volle Schlagseite ab. Denn wenn jemand nicht weiß wie er und was er ist, wie kann er dann sein Verhalten aus der Eigenen Sicht beobachten? Es ist fast unmöglich und bewusst wird es einem immer erst dann wenn es schon zum Streit oder Auseinandersetzung gekommen ist.

Borderline heißt übersetzt „Grenzgänger“. Weil man immer auf einem Schmalen Grad zwischen den Sichtweisen wandeln. Das Schwarz Weiß denken ist eine enorme Belastungserprobung deren die einen Lieben.

Man fühlt sich wie zerrissen, wenn man einerseits denkt das die Einsamkeit einen umbringt aber andererseits fühlt man sich in dem Moment der Nähe wie erdrückt und möchte nur noch so weit weg wie Möglich. Könnt ihr euch vorstellen in welchen Konflikt dann da die Angehörigen sind? Man weiß nicht wie man sich verhalten soll…

Aber glaubt mir wir wissen es selbst nicht.

 

Eine sehr aktuelle Situation ist für mich zurzeit immer wieder das Versagen. Wie oft musste ich schon aus psychischen Gründen eine Ausbildung, Schule oder Maßnahme abbrechen. Es ist immer wieder das gleiche, man schafft es nicht sich aus dem Kreislauf der Krankheit zu holen. Man leidet Höllenqualen und muss auch noch Leistung bringen, sowas wissen die meisten Menschen vorher schon, ob sie das packen oder nicht. Anders bei Borderlinern und damit meine ich mich selbst. Ich neige einfach dazu mir viel zu viel aufzuerlegen und scheitere dann katastrophal an dem Anspruch. Momentan befinde ich mich wieder in so einer Situation und ich kann an nichts anderes mehr denken als mein Versagen auf ganzer Linie. Natürlich will ich mich dafür bestrafen das ich es nicht geschafft habe.

Die ganze Krankheit ist ein Kampf, man muss immer kämpfen.

Es gibt ab und an kleine siege wie etwa gerade nicht was süßes zu essen wenn man Frust hat oder wenn man es schafft doch zu schlafen obwohl einem tausend Sachen durch den Kopf schießen. Meine Theorie ist es muss kleine siege geben, wer würden denn schon weiter kämpfen wenn es sinnlos zu sein scheint?!

 

Leider gibt es Zeiten die nur Trostlosigkeit und Trauer bringen, man wird von allem überrollt und fühlt sich hilflos und schutzlos ausgeliefert. Es gibt nichts das einem richtig hilf und ablenkt. Als würde man in einem schwarzen Loch wohnen und wäre blind für alles Schöne im Leben und auf der Welt. Man dreht sich in Gedanken immer im Kreis und bekommt wegen jedes kleinen Mists immer wieder neue zerstörende Gedanken hinein. Dann gibt es irgendwann einen Punkt an dem man einfach nicht mehr kann, wie wenn man an diesen Gefühlen zerbricht und nicht mehr weiß was oben und was unten ist. Eine Leidensgrenze die wenn sie überschritten wird ihre Folgen nachzieht. Es kann dann zum Schneiden kommen oder vielleicht noch schlimmer zum Suizid. Todessehnsüchte können täglich auftreten, es ist wie wenn ein alter Freund der dich anruft und dich bittet es dir für immer einfacher zu machen. Die Suizidgedanken sind gute Bekannte, die in unseren Köpfen ein und aus gehen, sie kommen oft unangemeldet und in den blödesten Momenten. Meist wenn man nicht damit rechnet. Und wenn sie mal da sind bekommt man sie so leicht nicht mehr los. Es drehen sich alle Gedanken um diesen einen und man hat das Gefühl man könne nie wieder glücklich sein, also was Solls. „Wenn ich für immer gehe, weine nicht um mich… ich bin es nicht wert“

 

Aber als ob das obige nicht schon genug wäre haben mindesten drei von fünf Borderlinern eine oder mehrere Unterdiagnosen. Diese Verbindung nennt man Komorbidität.

 

Die häufigsten sind:

 

-           Alkohol oder Drogensucht

-           Essstörungen (Bulimie, Magersucht, Fettsucht..)

-           Depressionen

-           Psychose oder psychotische Phasen

-           Dissoziative Störung

 

21 bis 67 Prozent betreiben Substanzmissbrauch.

Bei 14 Prozent liegt eine Essstörung vor.

Bei bis zu 40 Prozent liegt eine Psychose/ psychotische Phasen und/oder eine Dissoziative Störung vor.

 

Ich selbst leide an vier der fünf Hauptunterdiagnosen und ich kann euch sagen das ist nicht leicht. Ich bin Essgestört seit meinen 12 Lebensjahr. Außerdem haben sich später auch Depressionen, psychotische Phasen (ich hatte auch schon die Diagnose paranoide Schizophrenie) und eine Dissoziative Störung entwickelt.

Um das alles zu bewältigen braucht es täglich eine Menge an Energie und eine hohe Leidensgrenze. Aber ich schaffe es nicht immer die Haltung zu bewahren. Deswegen trage ich eine Maske, damit keiner sieht wie es mir geht. Andere sollen nicht „Mitleiden“ wenn es mir schlecht geht. Das kann ich nicht verantworten. Keiner der Menschen die um mich sind kann was dafür dass es mir nicht gut geht und so kann ich mich hinter einer dicken Mauer verstecken und warten bis es wieder besser wird.

 

Wichtig ist auch der Aspekt der Medikamente. Ich selbst nehme sehr viele um mit den Symptomen klar zu kommen. Doch direkt für Borderline wurde noch kein Medikament erfunden. Man kann bis heute nur die Symptome behandeln wie Schlafstörungen, Halluzinationen, Stimmen hören oder auch Depressionen. Bitte geht mit den Medikamenten immer Sachgerecht um!Ich habe nicht nur sehr sehr schlimme Nebenwirkungen wie Tremor und Lähmungen gehabt sondern auch Schlimme Entzugserscheinungen vom zu schnellen absetzen. Desweiteren habe ich auch Medikamentenmissbrauch betrieben unter dem ich heute noch leiden muss. Schlimme Leberwerte bis hin zum kompletten Zusammenbruch können die Folge sein!Psychopharmaka sind nicht zum Spaß verschreibungspflichtig. Also hört immer bei der einnahme und beim absetzen auf den Arzt der sie euch verschrieben hat. Sollte jemand Probleme damit haben oder Erfahrungsberichte zu bestimmten Medis brauchen ,stehe ich gerne Rede und Antwort. ;)

 

Soweit so gut, bei Fragen und sonstigem könnt ihr mir gerne eine Mail schicken. Ich hoffe das hat etwas eure Neugier befriedigt.

 

Mit lieben Grüßen

Euer Winterlicht


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